Oct 05 2007
Warum Gefühle So Wichtig Sind
Gefühle sind in unserer rationalen Gesellschaft recht verpönt - was zählt, sind die Fakten.
Objektivität ist Trumpf, nicht nur in der Wissenschaft. Gefühle kann man nicht anfassen und nur schlecht messen, sie sind deshalb oft eher hinderlich als nützlich - also werden sie an den Rand geschoben, vergessen, unterdrückt.
Wir alle tragen fast ständig eine Art Maske vor uns her, die unsere wahren Gefühle mehr oder weniger verbirgt. In der Öffentlichkeit wie auch im Kreise der Familie, unter Freunden und im Beruf - wir wollen unsere wahren Gefühle nur selten ganz offenbaren.
Im Grunde haben wir Angst davor, daß andere uns so sehen, wie wir uns wirklich fühlen. Ob wir Enthusiasmus im Beruf vortäuschen oder Freundschaft in der Freizeit, wir verbergen weitgehend vor unseren Mitmenschen, was ganz ehrlich in uns vorgeht. Ärger und Frust behalten wir oft für uns aus Furcht, von anderen abgelehnt zu werden - wir meinen, man hat jung, dynamisch und erfolgreich zu sein, um anerkannt zu werden.
Besonders Männer werten offen gezeigte Gefühle meist als Schwäche : “Alles, was nicht unmittelbar zum Tode führt, macht uns nur härter.” Es stimmt natürlich, daß wir verletzlich sind, wenn wir ganz offen zeigen, wie wir denken und was uns wirklich am Herzen liegt - zu häufig sind wir ausgenutzt worden, wenn unsere weniger freundlich gesinnten Mitmenschen sehen, wo wir angreifbar sind.
Das Schlimmste ist aber, daß wir viele Gefühle längst auch vor uns selbst verstecken!
Wir merken das meist gar nicht mehr, weil die Maske zur täglichen Gewohnheit geworden ist. Wir sollten uns daher einmal klar machen, welche Funktion die Gefühle in unserem Leben eigentlich haben und wie wichtig sie sind.
Bis ich das Buch ‘Ask and it is Given’ von Esther und Jerry Hicks las dachte ich auch, daß Emotionen wie Freude, Hoffnung und Leidenschaft zwar sehr schöne Beigaben zum Leben sind, aber Sorgen, Langeweile und Neid eher ärgerlich und kontraproduktiv.
In Kapitel 22 des Buches wird eine Skala von Emotionen vorgestellt, die von Furcht, Trauer und Verzweiflung ganz unten bis hinauf zu Freude, Liebe und Wissen reicht - und es wird eine Methode erklärt, wie man sich bewußt Schritt für Schritt auf dieser Leiter ganz schnell nach oben arbeiten kann.
In Wahrheit sind Gefühle nämlich ein hervorragendes und sehr nützliches Messinstrument - sie sind Anzeiger dafür, ob wir unser Leben nach unseren wahren Wünschen ausrichten - oder eben nicht.
Einfach gesagt : wir fühlen uns gut, wenn wir auf das zugehen, was wir wollen, und fühlen uns schlecht, wenn wir uns davon entfernen.
Und diese Bewegung hin zu - oder weg von - dem, was wir uns wünschen hat mehr mit unserem Denken und unseren Absichten zu tun, als mit dem, was wir tun. So drückt es jedenfalls Steve Pavlina in seinem Artikel ‘Feelings’ aus.
Unsere Gefühle sind Reaktionen auf unsere Gedanken und Absichten, und bewerten sie!
Hast du eine Ahnung, wie extrem hilfreich so ein Messinstrument sein kann, wenn man es auch benutzt?
Dieser Anzeiger ‘Gefühle’ steht uns ständig zur Verfügung und ist enorm zuverlässig - wir können ihm jederzeit vertrauen, auch wenn uns das Gegenteil beigebracht wurde.
Besonders bei negativen Gefühlen werden wir uns häufig fragen, warum wir sie haben und wie wir sie loswerden können - und landen auf der Suche nach der Ursache immer bei unseren Gedanken und Absichten. Nur dort können wir sie auch ändern und abstellen. Die beste Such-Methode ist für mich übrigens immer der Dialog : mit mir selbst durch ‘Schreiben’ und mit anderen durch ‘Gespräch’.
Es ist also gut, wenn wir uns mal schlecht fühlen - das soll so sein! Negative Gefühle sind ein Aufruf, ein Warnzeichen : ‘Hey, du gehst in die falsche Richtung - dieser Weg führt nicht dahin, wo du sein willst! Sieh mal auf deinen Kompass und stelle fest, wo dein Ziel wirklich ist, du mußt nämlich jetzt abbiegen.’
Solange wir diese Warnung ignorieren, wie wir das häufig tun, fühlen wir uns immer schlechter und werden letztendlich physisch krank - wir ziehen immer mehr von dem an, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten.
Aber wenn du zuhörst, was deine Gefühle dir sagen und deine Richtung änderst, dann fühlst du dich sofort besser : du hast jetzt das wahre Ziel deiner Wünsche vor Augen, und wieder ziehst du immer mehr von dem an, was du im Blick hast.
Wenn du in die richtige Richtung gehst in deinem Leben, fühlst du dich gut; wenn du dich schlecht fühlst mußt du erkennen, daß du etwas haben willst, was du im Moment nicht hast - und herausfinden, was es ist.
Das Schlimmste, was du machen kannst, wenn du es gefunden hast, ist dich gegen das zu wehren, was du dir wirklich wünscht - z.B. indem du dir einredest, daß du es doch nie erreichen kannst.
Wünsche und Träume treiben die gesamte Menschheit voran und sind damit enorm wichtig. Gefühle sind das Navigationssystem für diesen Weg unseres Lebens, das Messinstrument für unser Glück - mir ist Blindflug zu gefährlich.







Das ist genau das, was meine Mutter mir auch immer sagt.
Denn schon seit ich klein bin habe ich den Wunsch Musikerin zu werden, jedoch kamen immer wieder Leute und sagten “Samira du must was richtiges lernen sonst wirst du deines Lebens nicht froh”.
Ich habe mir ihre Sorgen zu Herzen genommen, hab immer wieder den Berufs Wunsch gewechselt, habe immer wieder was neues ausprobiert und obwohl ich auch bei der Betreung von Kindern jede Menge spaß habe erfüllt es mich nicht mit dem Gefühl welches ich habe wenn ich singe.
Ich mache gerade mein Abi weil ich das auch schon immer wollte aber ich bin dabei oft unzufrieden mit mir selbst und dann kam halt meine Mutter und sagte “Samira hör auf das was dein Herz dir sagt verfolge deinen Traum”.
Erst wusste ich nicht genau was sie damit meinte aber als ich dann am abend im Bett lag, ohne Musik, sang ich und es war mein Glück.
Nun setze ic alles daran meinen Traum zu verwirklichen.
Wieder mal ein Artikel von Dir, Berend, der es in sich hat. Mir gefällt, wie sachlich und gleichzeitig “gefühlvoll” Du schreibst. Der Eigendialog durchs Schreiben ist ein guter Hinweis. Diese Möglichkeit erahnte ich schon , als ich mich fragte, warum Du mich angeschrieben hast und wieso ich auf den hiesigen Blog komme. Prima, wenn sich Stück für Stück etwas klärt - und stimmig muß es ja sein, da es ein angenehmes Gefühl bereitet.
Eines kapiere ich im Text aber nicht: Wieso steht Wissen in der Tabelle der Gefühle ?
Noch eine andere Frage: Wie ist es möglich, daß die Menschen, welche hier schreiben, untereinander kommunizieren können ?
Mit leichten Gefühlen aus Zentral-Weidenegg,
Stephan
Wissen im Sinne von Gewißheit, Stephan. Das ist schwierig zu erklären, aber das Gefühl der Gewißheit - sich absolut sicher über etwas zu sein, nicht einmal unterschwellig irgendwelche Zweifel zu hegen - trägt enorm dazu bei, unserem Verhalten eine Komponente von Gradlinigkeit und Bestimmtheit zu geben, die von unserer Umwelt registriert wird und entscheidend mitbestimmt, was wir anziehen und manifestieren.
Wie kommuniziert man miteinander auf diesem Blog? Das siehst du gerade - nicht direkt untereinander, aber ich beantworte hier deine Fragen.
Berend
Hallo Berend,
ein schöner Beitrag … nur manchmal empfinde ich es arg schwierig, die teils sich widersprechenden Gefühle auseinander zu halten …
Ich erlebe grad einen Weg, wo ich mich fühle wie ein Wanderer auf einem ungeschützen schmalen Grat … mal kommt der Wind unterstützend und angenehm von hinten, und ich fühle mich auf dem richtigen Weg. Dann bläst er mir wieder kalt und unangenehm von vorne ins Gesicht, so dass ich die Augen zukneifen muss und mein Gesicht mit meinem Arm schütze … und langsamer vorwärts gehe … manchmal sogar stehen bleibe … unschlüssig, ob ich weitergehen oder umkehren soll.
Ah, das ist jetzt schön … dass man beim Schreiben die Antwort findet … meinem Gefühl nach geht’s um das Innehalten … das “gefühlsmäßige Absichern” … fühlt sich der Weg immer noch gut für mich an? Ist das anvisierte Ziel immer noch MEINS? Ja? Gut, dann weiter …
Danke für die Inspiration!
Fröhliche Grüße, Ulrike
Lieber Berend,
dieser Beitrag berührt mich ganz besonders. Deinen Satz mit den Gefühlen als Navigationssystem find ich grossartig. Durch die ganze Arbeit mit The Secret usw. hab ich tatsächlich meine negativen Gefühle nicht mehr genug beachtet. Positive Gedanken ziehen Postive Erlebnisse an, ja das stimmt. Doch die negativen Gefühle- wenn sie unterdrückt werden- fliegen einem dann irgendwann mal geballt um die Ohren und das ist mir vorgestern passiert. Puh, das hat weh getan. Und dann las ich gestern Deinen Beitrag und dachte, das gibts doch mal wieder nicht, dass Du genau jetzt über das schreibst. (bzw. darauf verweist, der Artikel ist mir wohl an seinem Erscheinungsdatum durch die Lappen gegangen). Da sieht man mal wieder, es kommt alles zur rechten Zeit und es gibt keine Zufälle:-)
Und ich hab die Gefühle als Wegweiser genommen, hab mir einen anderen Weg gesucht und siehe da, ich kam ziemlich schnell aus der Versenkung wieder heraus. Da ist es dann doch wichtig, dass man sich von den negativen Dingen nicht dauerhaft runterziehen lässt. Denn es gibt so immens viel Positives und Schönes in meinem Leben. Und von nun an werde ich meine Gefühle nicht mehr ignorieren, schönmalen oder wegdrücken, weder die guten noch die schlechten.
Danke für diesen Beitrag, der mir sehr hilft und den ich auch schon weiterempfohlen habe.
Ganz liebe Grüsse Andrea
[…] Rufes und der Ehre zu verlieren. Andere verstecken hinter der Maske ihre Gefühle, lese ich bei Berend. Masken sind vielfältig und so bunt wie der Karneval […]
Hallo Ihr Lieben,
the time is right, nun muss ich auch was dazusteuern.
Ich hatte auch einen ganz schlechten Tag am Mittwoch!
Es ging mir körperlich nicht gut und obwohl ich mich als positiven Menschen sehe konnte ich mir selbst nicht helfen.
Ich vertraue meinen Gefühlen und nun kam es gestern morgen so, dass ich mich mal wieder hier umgesehen hab.
Ich las Kommentare zu meinen Kommentaren und stieß auf diesen Artikel!
Es klickte in mir etwas und dann sah ich die Lösung
Nachdem ich mich vor einiger Zeit wegen Terminproblemen von einer Unternehmung hab abhalten lassen fand ich mich gestern wieder genau bei diesem Thema wieder.
Lange rede kurzer Sinn, hab mein Vorhaben nun begonnen und meine Termine werde ich auf die Reihe bekommen.
Und siehe da, es ging mir schlagartig besser.
Ja die Gefühle sind ein Kompass und nur nach den “guten” Gefühlen zu gehen reicht nicht aus.
Aus meiner Erfahrung sind oft die schlechten Gefühle stärker als die positiven, da man durch sie etwas vermeiden soll, die positiven motivieren eher.
Also ich habe nun wieder positive motivierende Gefühle und bin wieder auf dem Weg.
Danke Berend!!!
lg
Chris
Gerne, Chris!
Dann war ich ja mal wieder zur rechten Zeit am richtigen Ort. Ist die Natur nicht wunderbar? Selbst wenn man einmal nicht auf seine Gefühle hört oder sie gänzlich übersieht … wir werden geduldig doch immer wieder dorthin geleitet, wo wir ansetzen müssen.
Bis es dann klickt! Und man weiß sofort, daß es so richtig ist! Dieses Gefühl ist unbezahlbar, und dann gibt es kein Halten mehr.
Toll - ich wünsche dir viel Erfolg bei deinem Vorhaben, obwohl du meine Wünsche in dieser Richtung wohl gar nicht mehr brauchst.
Ja Berend,
du bist da Navigationssystem des Universums!
Die Natur ist wunderbar!
Das Navi sagt uns immer den Weg, auch wenn wir mal nicht richtig abbiegen, dann sagt es uns bei der nächsten Gelegenheit wieder wie wir auf den richtigen Weg kommen.
lg
chris