Oct 09 2009
Sind Philosophen Realisten?
Philosophen werden allgemein für weltfremde Träumer in der Antike gehalten, die in wallenden Gewändern durch Griechenland pilgerten; ihr Job war nur, zu denken und zu lehren. Das ist ja leicht.
Realisten schweben nicht in diesen höheren Regionen, sondern stehen mit beiden Stiefeln im Dreck und krempeln die Ärmel hoch. Sie tun etwas Produktives, das man irgendwann anfassen kann. Das ist nicht einfach, sondern schwer - aber Materielles zählt schließlich.
Ideelles kann man vergessen, Ethik ist für abgehobene Aussteiger, die keine Steuern zahlen.
Die Karikatur hier oben links veranschaulicht, wes Geistes Kind wir heute sind : “Ich weiß nur, dass ich alles weiß” steht auf der Tafel, während Sokrates vor 2400 Jahren noch meinte : “Ich weiß, dass ich nichts weiß”.
Ist unser Bildungssystem so viel besser geworden oder jetzt ganz im Eimer? Sind die Realisten eigentlich Gegner der Philosophen?
Früher waren Philosophen mal ganz praktisch und aktiv als Berater in der Politik tätig; sie halfen, Lösungen zu finden. Man hörte ihnen zu und manchmal richteten sich Staatsoberhäupter sogar nach ihren Empfehlungen. Lobbyisten haben es heute einfacher : sie wissen schon alles.
Philosophie ist wörtlich die ‘Liebe zur Weisheit’ - so gesehen bin ich auch ein Philosoph; ich möchte das Wahre finden und ein praktischer Philosoph sein, der mit anderen Lösungen findet und sie anbietet, um das Leben leichter und einfacher zu machen.
Deshalb werde ich mir auch keinen Bart wachsen lassen … und Jeans sind auch praktischer als wallende Gewänder, die sich nur in der Fahrradkette verfangen.
Unsere Zeit hat also durchaus ihre Vorteile, nur ist sie in vieler Hinsicht einseitig geworden; Philosophen werden nicht recht ernst genommen, weil sie nicht immer sofort in klingender Münze liefern.
Aber Münzen haben zwei Seiten und man sollte tunlichst nicht nur die Zahl vorne drauf beachten.
“Das Wahre ist leicht. Nicht, dass es uns ohne Bemühung zufiele. Denn eben dieses Leichte und Einfache zu finden ist das Schwerste … Die meisten stellen sich vor, das Wahre müsse schwer sein, um das Wahre zu sein; aber wenn das Wahre gefunden ist, hat es immer etwas vom Ei des Kolumbus an sich.”
So sagt F.W. Schelling [1775-1854] in ‘Philosophie der Offenbarung’.
Denn das Ei des Kolumbus kann man anfassen.




Hallo Berend,
dazu fällt mir der Kommentar im Film “Das Beste kommt zum Schluss” ein: “Im ersten Semester Philosophie ist Tiefgründigkeit leicht - wir haben noch sechs Monate, ein Jahr vielleicht. Weißt du nicht mehr wie schnell 45 jahre vergangen sind?”
Metaphorische Gedanken, Metaphern - ich persönlich liebe sie und sie haben mir in meinem leben schon viel weiter geholfen, weil sie einen wahren Kern haben
Jack Nicholson: “Metaphern, bla, bla, bla! Du jammerst doch herum dir sei so viel entgangen. Hier ist deine Chance!”
Morgan Freeman: “Meine Chance??? Für Was??? Mich wie ein Idiot aufzuführen?”
Jack Nicholson: “ES IST NIE ZU SPÄT!”
ICH LIEBE DIESEN FILM - weil er für mich so “philosophisch” ist
Ich kenne Leute, die finden den Film eher krass. Was hat sterben mit Philosophie zu tun?
Ich denke, dass es sehr viel damit zu tun hat
Bin ich eine Philosophin? Nein, ich denke eher eine Realistin - deshalb:
Ich weiß nicht ob Philosophen Realisten sind, doch ich als Realistin bin sehr oft philosophisch
Mit ganz lieben Grüßen aus St.Veit
Anita
Ich auch, Anita - habe den Film seit 6 Wochen als DVD :-))