Jan 25 2008
Licht im Dunkeln : Fasching in Villach
“Jeder Narr kann auf das Licht zurennen. Nur ein Weiser wird den Mut aufbringen sich umzudrehen, der Dunkelheit zuzuwenden und sein eigenes Licht dort strahlen zu lassen.”
(Leslie Fieger)
Es ist ja Faschingszeit, also darf man auch mal über Narren reden. Als Norddeutscher habe ich zwar weder mit Narren noch mit Fasching viel im Sinn, aber Villach ist nun mal die Hochburg dafür in Österreich … und tatsächlich : man findet immer wieder etwas zum Lachen, wenn man sich das närrische Treiben hier so anschaut.
Aber mal im Ernst : die Faschingszeit ist ja eigentlich einer dieser vielen Bräuche in Europa, die historisch tief verankert sind und durchaus auch einen praktischen Zweck erfüllen.
Der Fasching gibt uns zum Beispiel die Erlaubnis, für einige Zeit mal so richtig ‘närrisch’ die Sau rauszulassen, auch öffentlich. Besonders den Deutschen fällt es ja eher schwer, den Bier-Ernst des Lebens mal zu vergessen, auch wenn sie das Bier kaum jemals loslassen.
Und das, obwohl wir als Menschen ja eigentlich immer versuchen, alles Negative möglichst zu vermeiden. Ganz automatisch.
Nur kann man das Negative nicht dadurch ausschalten, indem man sich nur auf das Positive konzentriert. Beide Seiten dieser Münze müssen letztendlich immer im Gleichgewicht bleiben : nimmt eine Seite zu, muß auch die andere irgenwie wachsen.
Wenn du immer nur positiv sein willst, wird auch das Negative in dir bald sein häßliches Gesicht zeigen. Wenn wir z.B. ehrlich sein wollen bestätigen wir damit, auch unehrlich sein zu können.
Wahre Stärke und Weisheit entstehen, wenn wir Positives und Negatives integrieren … beide geichberechtigt anerkennen, zulassen und uns mit beiden gleichwertig befassen.
Oder eben ab und zu mal Gegenpole setzen, wie beim Fasching. Aus der Spannung zwischen Gegensätzen entwickeln wir Kenntnis und Erfahrung.
Klingt einfach, nur ist das mit dem Zulassen in schweren Zeiten nicht so leicht, genausowenig wie das Loslassen des innig geliebten Bräus beim Fasching.
Finde ich. Aber ich bin ja auch Norddeutscher.
In diesem Sinne : ‘Lei Lei’ ! Das sagt man hier, wo andere ‘Alaaf’ oder ‘Helau’ sagen.







Hallo Herr Lange .
Sie schreiben :
*Nur kann man das Negative nicht dadurch ausschalten, indem man sich nur auf das Positive konzentriert. Beide Seiten dieser Münze müssen letztendlich immer im Gleichgewicht bleiben : nimmt eine Seite zu, muß auch die andere irgenwie wachsen.*
Lieber Herr Lange , ich kann Ihren Worten nicht so ganz folgen .
Das Negative und das Positive müssen im Gleichgewicht bleiben?
Warum sollte ich mir wünschen , dass das Negative auf gleicher Augenhöhe mit dem Positiven ist oder bleibt ?
Es geht doch wohl darum , zumindest meiner Ansicht nach , dass das Negative auf unserer Welt keinen weiten Einzug hält , und bereits bestehende negative Dinge und Verhältnisse geändert werden müssen .
Ich verstehe auch nicht so ganz was Sie damit meinen , wenn eine Seite zunimmt , muss auch die andere irgendwie wachsen ?
Das Negative soll doch gar nicht zunehmen oder wachsen , doch nur das Positive . Das Negative soll durch das Positive doch ersetzt werden . Sicher ist es so , dass man das Negative nicht automatisch ausschalten kann , indem man sich nur auf das Positive konzentriert . Reine Konzentration auf eine positive Sache , löst ja nicht alle negativen Dinge einfach so in Luft auf , die bereits existieren . Ich persönlich halte eine positive und friedvolle Einstellung zu den Dingen des Lebens und zu den Menschen für erstrebenswert . Ich sehe keinen Sinn darin , warum das Negative auf dieser Welt , laut Ihrer Worte , einen gleichberechtigten Bestand haben soll . Das Negative gilt es zu reduzieren und schließlich völlig zu beseitigen , indem man vom Positiven überzeugt - nicht nur durch Worte , sondern auch durch Taten .
Lieber Herr Lange , Positives und Negatives gleichberechtigt anerkennen ? Tut mir leid , ich bin nicht Ihrer Meinung. Das würde ja bedeuten , das Elend und die Not sehr vieler Menschen , als einfach so gegeben hinzunehmen . Das kann ich mit Sicherheit nicht .
Freundliche Grüße - Ramona
Deine Sicht der Dinge ist weit verbreitet, klingt richtig, ist logisch und wohlmeinend, Ramona - aber diese Perspektive ist auch einseitig und deshalb unvollständig.
Es ist nicht unsere Entscheidung zu bestimmen, was positiv oder negativ ist und dann einseitig durchzusetzen, was wir für richtig halten : aus unserer Sicht unterscheiden wir diese zwei Seiten, aber in Wirklichkeit bilden sie ein neutrales Ganzes.
So erstrebenswert uns das vermeintlich Positive erscheinen mag, es kann doch nicht ohne einen gleichgroßen Anteil von Negativem existieren - von daher kommen wir nicht umhin, uns nacheinander mit beiden Seiten auseinanderzusetzen.
Es geht auch nicht darum, scheinbar Negatives tatenlos hinzunehmen, sondern vielmehr das Nützliche und Produktive im Elend anderer zu erkennen und ihnen zu helfen, es durch Verständnis und Mitgefühl aktiv zu überwinden.
Es ist schwierig, diese Zusammenhänge darzustellen und ich kann nicht hoffen (noch beabsichtige ich), dich hier umstimmen zu können - ich schreibe Artikel wie diesen, um den Leser zu ermutigen, seine Gedanken zu öffnen und zu überlegen, ob meine Sichtweise gewisser Zusammenhänge auch eine gültige Perspektive darstellt.
Lieber Herr Lange .
Aber das kann nur funktionieren , wenn sich negatives und böses Gedankengut nicht in unserer Seele manifestiert hat .
Ich wusste gar nicht , dass meine Sicht der Dinge weit verbreitet ist. Wenn ich mich so in der Welt umschaue , komme ich eher zu der Annahme , dass das Negative und Böse weiterhin triumphalen Einzug hält . Und ich hege den Verdacht , dass das Positive und Gute eher ein Schattendasein fristet .
Daher ist es für mich schon lange an der Zeit , Negatives und Böses nicht zu befürworten , und ganz besonders dann nicht , wenn es sich auch noch direkt vor meinen Augen abspielt .
Ich kann nicht wie Sie , das Nützliche und Produktive im Elend anderer erkennen . Es soll ja ganz böse Menschen geben , die aus dem Elend und aus der Not anderer Menschen versuchen Kapital zu schlagen . Ich nehme an Sie meinen , wenn wir uns das Elend und die Not eines Menschen vor Augen führen , dann mobilisiert das unsere positiven Energien , und veranlasst uns , diese entsprechend in helfende Taten umzusetzen
Es wäre zu schön um wahr zu sein , wenn das bei jedem Menschen im tiefsten Inneren seiner Seele so ausgelöst werden würde
Das kann nur funktionieren , wenn wir nach dem Positiven und Guten streben , und wenn wir dem Negativen und Bösen keinen Platz zur Entfaltung bieten .
Ich sehe, daß für jede Feindseligkeit auch 99 mal Gutes getan wird, Ramona - nur daß wir so trainiert sind, diese Dinge nicht vordringlich wahrzunehmen : bad news sells.
Auf was wir unsere Aufmerksamkeit lenken, das versorgen wir mit unserer Energie und es nimmt immer mehr Raum ein für uns … auch wenn wir es nicht befürworten.
Aber das ist ein Teufelskreis, aus dem wir ausbrechen können, indem wir uns mehr um die andere, positive Seite der Medaille kümmern. Ohne das Negative zu kennen wissen wir aber gar nicht, was positiv ist … deshalb müssen wir uns zwangsläufig mit beidem beschäftigen.
“Jeder Narr kann auf das Licht zurennen. Nur ein Weiser wird den Mut aufbringen sich umzudrehen, der Dunkelheit zuzuwenden und sein eigenes Licht dort strahlen zu lassen.”
ach wenn Du wüßtest, lieber Berend, wie gut es mir tut, diesen Satz zu lesen…
Viele meine Freunde sagen mir oft: “wieso hast Du mit diesem Menschen zu tun, er tut Dir doch nicht gut. gehe doch lieber zu positiven Menschen zu!” Nun ich habe viele positive Menschen in meinem Leben doch ich spüre, daß manche Menschen, die mir vermeintlich weh tun, eigentlich mir etwas zu lehren haben und daß sie eigentlich meine Liebe noch mehr nötig haben als andere, die mir positiv gesonnen sind. Aber es gab eine Zeit, ich habe darüber gezweifelt, ob ich den Konakt abbrechen sollte oder nicht.
Meine Selbstliebe wird durch sie geprüft und darf durch sie wachsen aber ich muß zugeben, ich mußte erst lernen, damit umzugehen, bevor ich mich auf solchen Menschen einlassen konnte und trotzdem sind sie für mich genauso bereichernd wie herausfordernd
Danke für diesen Beitrag!
Lieber Herr Lange ,
Sie schreiben :
*Ohne das Negative zu kennen wissen wir aber gar nicht, was positiv ist … deshalb müssen wir uns zwangsläufig mit beidem beschäftigen.*
Meinen Sie nicht , dass ein Mensch der sich entschlossen hat , sich für die positiven Dinge im Leben einzusetzen , sich zuvor nicht auch mit den negativen Dingen und Auswirkungen befasst hat ? Und meinen Sie nicht , dass ein Mensch auf Grund genau dieser Auseinandersetzung mit positiv und negativ , für sich beschließen könnte , den negativen Dingen keinen Raum zu bieten ?
Ich finde das ist ein logischer Vorgang und kein zwangsläufiger Vorgang , dass man sich mit positiv und negativ gleichermaßen beschäftigt .
Kein Mensch kann oder darf , von sich und anderen behaupten , dass man zu einer tiefgreifenden Ansicht oder Meinung gelangen kann , ohne zuvor beide Seiten der Medaille betrachtet zu haben. Es gibt keine Wahrheit oder Erkenntnis , ohne Blick auf das Gesamtgeschehen , ohne Blick hinter die Kulissen von gut und schlecht oder eben von positiv und negativ .
Genau so ist es, Ramona.
Genau das habe ich in meinem Artikel gesagt.
Aber das ist nicht ein einmaliger Prozess, sondern man muß ihn ständig wiederholen, weil sich alles immer entwickelt und ändert. Deshalb darf, kann und sollte man nicht versuchen, alles vermeintlich Negative auszugrenzen.
Und m.E. ist das eben doch ein zwangsläufiger Vorgang, und hat nichts mit Logos = Verstand zu tun.
Lieber Herr Lange ,




dann habe ich Ihren Artikel , oder Ihre Botschaft , oder wie auch immer , ja richtig verstanden
Warum gehen Sie eigentlich ständig davon aus , dass der Mensch an sich , oder der Mensch überhaupt , das Negative versucht auszugrenzen ? Nun werden Sie sicher versucht sein zu schreiben : “Aber das mache ich doch gar nicht.”
Für mich liest es sich halt so , dass Sie vermuten , der Mensch würde oder möchte sich nur positiven Gedanken zuwenden und negative Situationen nicht sehen
Ich gehe , optimistisch wie ich bin , sehr wohl davon aus , dass der Mensch sich Gedanken auch über negative Situationen und Ereignisse macht . Und natürlich ist das nicht ein einmaliger Vorgang . Und wenn ich das mit meinem bescheidenden geistigen Horizont weiß , dann wissen das sicherlich noch sehr viel mehr Menschen
Was die “Logos” (Verstand) betrifft Herr Lange , so bin ich der Meinung : Verstand und Gefühl kooperieren manchmal erstaunlich eng miteinander , obwohl beide vehement meinen , ein Eigenleben zu führen
Na prima, dann sind wir ja soweit schon mal einig!
Aber die meisten Menschen, die ich kenne, versuchen tatsächlich, negative Erfahrungen möglichst weitgehend zu vermeiden. Sie machen sich nach meinem Eindruck gerade deswegen (gedanklich) viele Sorgen - viel zu viele eigentlich - und malen sich ‘Horror-Szenarien’ aus, um diesen Situationen und Ereignissen (physisch) vorbeugen zu können und sie letztendlich zu verhindern.
Da habe ich also wohl ungenau formuliert, wenn du das anders gelesen hast.
Daß mit der Kooperation von Verstand und Gefühl kann ich nicht schlüssig beurteilen : mir scheinen sie tatsächlich sehr oft in Konflikt zu liegen, weil den meisten von uns beigebracht wurde, Gefühle zu unterdrücken und die Ratio entscheiden zu lassen.
“Jeder Narr kann auf das Licht zurennen. Nur ein Weiser wird den Mut aufbringen sich umzudrehen, der Dunkelheit zuzuwenden und sein eigenes Licht dort strahlen zu lassen.”
(Leslie Fieger)
Ja kann sein , das kann ich jetzt zum Beispiel nicht schlüssig beurteilen
Ich führte mal eine recht kurze schriftliche Unterhaltung zum Thema Licht :
Er schrieb : Nicht jedes Licht , auf das wir in einem dunklen Tunnel zugehen , weist auf den Tunnelausgang hin . Es kann sich auch um das Licht eines herbeirasenden Zuges handeln .
Ich schrieb zurück , dass so eine Verwechslung ja wohl nicht passieren könnte , da man ja wohl die Schienen im Tunnel bemerken müsste .
Er schrieb nichts mehr zurück , das Gespräch war somit zu Ende .
Lieber Herr Lange , es hat mich gefreut , mich mit Ihnen über “positiv und negativ” unterhalten zu haben .
Ich harre der Dinge und weiterer Beiträge von Ihnen
Hat mich auch gefreut, Ramona - vielen Dank für dein Interesse und die durchdachten Kommentare.