Mar 07 2008

Glück oder Pech?

“Urteile nicht, dann wirst du dich nie irren.”
Jean Jacques Rousseau (1712 - 1778)

     Neulich las ich folgende alte Zen-Geschichte :

Holz im Schnee     Ein Bauer hatte ein Pferd, aber eines Tages lief es fort und der Bauer und sein Sohn mußten ihre Felder selbst pflügen. Die Nachbarn sagten : “Was für ein Pech, daß euer Pferd weggelaufen ist!” Aber der Bauer antwortete : “Pech … Glück … wer weiß?”

     Eine Woche später kam das Pferd zum Bauernhof zurück und brachte eine ganze Herde wilder Pferde mit. “So viel Glück!” riefen die Nachbarn, aber der Bauer sagte : “Glück … Pech … wer weiß?”

     Kurz danach versuchte der Sohn des Bauern, eines der wilden Pferde zu reiten - aber er wurde abgeworfen und brach sich ein Bein. “Oh, so ein Pech!” Die Nachbarn hatten Mitleid, aber der Bauer sagte wieder : “Pech … Glück … wer weiß?”

     Ein wenig später zog der Landesherrscher alle jungen Männer in sein Heer ein, um in die Schlacht zu ziehen. Aber den Sohn des Bauern ließen sie wegen seines gebrochenen Beins zu Hause : “Was für ein Glück, daß dein Sohn nicht in die Schlacht ziehen muß!” freuten sich die Nachbarn. Aber der Bauer bemerkte nur : “Glück … Pech … wer weiß?”

     Alles im Leben hat seine zwei Seiten, das sollten wir nie vergessen.

6 Responses to “Glück oder Pech?”

  1. Chrison 08 Mar 2008 at 8:36

    Lieber Berend,

    eine schöne Geschichte.
    Alles hat 2 Seiten, das Ying und Yang.
    Oftmals sehen wir nicht welch positive Seite etwas haben könnte, wir ärgern uns und erst im nachinein stellt sich dann heraus, es war gut…
    Ich bin “leider” manchmal schon so von der positiven Seite überzeugt, die in allem liegt, dass ich viele Situationen einfach nicht als Pech wahrnehme.

    Wenn mir der Zug vor der Nase wegfährt, ok, dann sollte es halt so sein, also wieso stressen?
    Wenn sich nachher herausstellt, dass der Zug ein Triebwagenproblem hatte und ich vor ihm am Ziel war, klasse ;-)

    Also nehmt das Glück war…

    Chris

  2. Jürgenon 08 Mar 2008 at 9:19

    Nicht mehr urteilen. Mei, wäre das schön. Huch, schon wieder ein Urteil.

    Es ist eben alles eine Frage des Standpunktes. Die wilden Pferde waren in Freiheit sicher mehr in ihrem Element, für den armen Bauern “erschienen” sie als Segen. Schneller als der Zug am Ziel, “schön” für Chris. Und für die, die drin saßen? Die BEurteilen das bestimmt anders. Und sie VERurteilen zu einem großen Teil vielleicht sogar die Bahn. “Alles ist schlecht”, “Alles ist gut” - wo ist da wirklich der Unterschied? Beides ist einseitig. Und beides ist nur meine Meinung. Nur mit dem zweiten Glaubenssatz lässt es sich “besser” leben. Wirklich?

    Irgendwann werden wir es wissen. Vielleicht.

    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende,
    Jürgen

  3. Menachemon 08 Mar 2008 at 14:55

    Ist nicht leicht zu verstehen, Berend. Ein Urteil ist etwas abgeschlossenes, Feststehendes und endgültiges - das Ende eines (Denk)prozesses. Nach dem Urteil ist erst einmal Schluß.
    “Dann wirst du dich Nie irren” bedeutet vielleicht dabei, aufgrund neuer Einsichten und Erkenntnisse immer noch einen neuen Weg einschlagen zu können.
    z.B. alle Arbeitslosen sind faul - das ist ein Urteil. Bildet man sich kein abschließendes Urteil ist es viel leichter möglich, nochmals neue Aspekte in alles einfließen zu lassen.
    Somit ist im “irren” keine Fehlleistung gemeint, sondern das “offen” bleiben für alles Neue.
    Interessant ist der Gedanke und ich steige nicht so ganz durch. Hätte er es einfach gesagt, Rousseau, hätte ich nicht drüber nachgedacht und “jawohl” genickt, aber nichts verstanden.

  4. Berendon 08 Mar 2008 at 16:49

    So sehe ich es auch, Menachem : offen bleiben, sich kein abschließendes Urteil bilden, vor allem kein vorschnelles - jeder hat das Recht, seine Meinung jederzeit zu ändern.

    In unserer Welt der Polarität, des Ying und Yang, haben wir wir ja gar keine Wahl : wir müssen ständig wählen zwischen den vielfältigen Aspekten des Lebens, um es von allen Seiten kennenzulernen und zu erfahren.

    Letztendlich können wir dabei weder richtige noch falsche Entscheidungen treffen - alle haben ihren gleichen Wert zur angemessenen Zeit.

  5. Andrea2007on 09 Mar 2008 at 19:09

    Hallo zusammen,

    mir geht es auch oft wie Chris; ich bin schon mal ne halbe Stunde vor einem Termin an einem Ort gewesen, weil ich mich in der Zeit geirrt hatte. Statt mich zu ärgern, hab ich diese halbe Stunde “gewonnene Zeit ” einfach total genossen.
    Ich glaube fest daran, immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und somit hat für mich alles seinen Sinn, auch wenn ich ihn nicht immer erkenne. Es ist wieder mal eine Sache der Einstellung und der eigenen Entscheidung., ja Berend, es gibt keine falschen Entscheidungen, ausser die, die man andere für sich machen lässt und da wir uns dazu ja im grunde- wenn auch passiv- auch entschieden haben, gibt es grundsätzlich gar keine falschen Entscheidungen.
    Liebe Grüsse Andrea

  6. marionon 10 Mar 2008 at 19:52

    Hi,
    letzten August hat mein damaliger Chef es witzig gefunden mir am 8.8. um 8 uhr zu kündigen. Ich war fertig … durch die Arbeitslosigkeit und sofortige Freistellung konnte ich endlich einige liebe Freunde besuchen fahren, habe herausgefunden, dass meine Talente ganz wo anders liegen und werde daher demnächst mit der entsprechenden Ausbildung beginnen. und ich hatte Zeit einen Freund, den ich seit 3 Jahren kannte näher kenne zu lernen und darf ihn mittlerweile meinen Partner nennen…

    Am 29.1. hat mein Chef meinen Vertrag in der Probezeit gelöst. Ich war komplett fertig und vor den Kopf gestossen nach 4 Monaten arbeitslos sein. Dann habe ich meinem Gefühl geglaubt und mich am gleichen Tag noch online beworben. Am 30.1. um 11 Uhr hatte ich einen Anruf ob ich am gleichen Tag Zeit hätte für ein Vorstellungsgespräch. Um 14:30 war ich dort und um 16:30 hatte ich den Job und begann am 1.2. einen viel besseren Job mit mehr Gehalt!

    Ja und letztens habe ich mich gefreut etwas früher aus dem Büro zu kommen. Dann hat mich noch im Hinausgehen ein lieber Kollege etwas gefragt und so blieb ich doch noch ein paar Minuten länger … Tja dann bin ich 1 Stunde auf der A2 gestanden die wegen einem schweren LKW Unfall komplett gesperrt war… und ich - hab mich gefreut, dass ich länger blieb und somit nicht im Unfall verwickelt war, dass ich eine Stunde mit meinem Schatz telefoniert habe … und dass ich vorher nicht so viel getrunken habe wie normal und somit kein WC-Problem hatte ;)
    und solch ähnliche Dinge habe ich schon sehr oft gehabt!

    … also ich kann dem Bauern nur Zustimmen :)

    lg Marion

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