Oct 14 2009
Die Pflicht zur Freude
Den älteren Semestern unter uns hat man beigebracht, mit Freude unsere Pflicht zu tun. Na ja, den jüngeren wohl auch.
Ich weiß nicht, wie es dir geht - ich jedenfalls habe früher trotzdem das Wort ‘Pflicht’ immer mit etwas verbunden, was ich eigentlich nicht tun möchte. Wenn ich etwas nicht mit Freude tun kann, dann muss ich mich dazu überwinden … ich stelle also die Interessen anderer vor meine eigenen.
Als mich daher am Samstag unerwartet ein Kunde anrief, von dem ich länger nicht gehört hatte, war ich zunächst nicht begeistert : eine große Übersetzung müsse bis Montag fertig für den Drucker sein, sonst könne man den Messeauftritt am Ende des Monats abschreiben. Aber ich wollte gerne helfen.
Um es kurz zu machen : es war ein Haufen Arbeit, und anstrengend. Aber kaum hatte ich angefangen merkte ich, wieviel Energie in dem Text steckte; er war interessant, auch eine Herausforderung und plötzlich machte es richtig Spaß.
Plötzlich war es mein Projekt, ich vergaß den Kunden, den Abgabetermin und die Messe - 14 Stunden lang flossen die englischen Formulierungen mir leicht von der Hand. Wäre es anders gewesen hätte ich nur dem Kunden, aber nicht mir selbst einen Dienst erwiesen.
Ist es egoistisch, unsere eigenen Interessen und Neigungen vor die der anderen zu stellen, uns selbst eine Freude zu machen?
Eher im Gegenteil, denke ich … es ist unsere Pflicht. Die Übersetzung ist nämlich richtig gut geworden, weil ich sie mit Freude gemacht habe - und wird wahrscheinlich helfen, eine Menge Recycling-Maschinen zu verkaufen.
Wir erweisen der Welt keinen Dienst, wenn wir immer nur unsere Pflicht ohne Freude tun - auch wenn bestimmte Aufgaben dadurch erledigt werden.
Freude ist nämlich ansteckend, wie eine Grippe - beide werden unabsichtlich weitergereicht, wir können es kaum verhindern. Wenn wir uns selbst eine Freude machen, dann machen wir sie automatisch auch anderen.
Diesmal hatte ich Glück, fast wäre ich in mein altes Denkmuster zurückgefallen : am Sonntag arbeiten
Aber als Selbstständiger habe ich die Freiheit, meine Zeit selbst einzuteilen
Es stimmt : wir müssen bewusst einen Weg finden, unsere Pflicht mit Freude zu tun … auch uns selbst etwas zu geben, wenn wir anderen dienen.
Fühlt sich jedenfalls gut an. Zur Nachahmung empfohlen.
Oder kennst du das schon?




Auch wenn das nicht ganz den Kern trifft musst ich bei dem Satz mit der Ansteckungsgefahr sofort an dieses Video denken:
http://www.youtube.com/watch?v=wQ5boOTyz_4
Ich kann dir nur zustimmen. Sobald einem etwas Spaß macht, kann man von seinem Projekt kaum ablassen.
Also ich habe das jetzt wie folgt verstanden:
Mann macht anderen eine Freude um sich selbst zufrieden zu fühlen und das sollte man ruhig zur Pflicht machen aber das kommt wohl sehr selten vor, dass man seinen eigenen Egoismus während man in der Pflicht für einen anderen steht vorschieben kann oder? Wie oft passiert dir so etwas Berend?
Lieber Berend!
Dazu fällt mir mein Lieblingszitat ein:
Deine erste Pflicht ist,
dich selber glücklich
zu machen.
Bist du glücklich
so machst du auch
andere glücklich.
(Ludwig Feuerbach)
Mit der Freude ist es genauso! :o)
Alles liebe, Susi
Nicht ‘während’, Florian - vorher!
Man sollte es sich zur Pflicht machen, unbedingt zuerst einen freudigen Aspekt für sich selbst zu finden bei einer Aufgabe, die man für jemanden anders erledigen muss, oder zu der man sich verpflichtet fühlt.
Meist geht es uns doch so, dass wir nur die vordergründige Seite einer ‘Aufgabe’ sehen, die ja nicht aus uns selbst erwachsen ist, sondern eine Idee oder den Bedarf eines anderen für uns darstellt. Darauf reagieren wir zunächst meist ablehnend, weil Ansprüche an uns gestellt werden.
Sobald wir aber eine eigene Motivation für bestimmte Aufgaben haben sieht die Welt plötzlich ganz anders aus …